Interview: Hunde als Therapeuten | PfotenCheck

Interview: Hunde als Therapeuten

Angela Engels ist Expertin für tiergestützte Pädagogik und gemeinsam mit ihrem Labrador Sam als Mensch-Hunde-Team in Kindergärten, Schulen, Seniorenheimen und der eigenen Praxis im Einsatz. Im Rahmen eines Interviews hat sie PfotenCheck einen Einblick in ihre spannende Tätigkeit gegeben und über Erfolge und Herausforderungen gesprochen. 

Mensch-Hunde-Team mit Herz: Angela Engels und SamPfotenCheck: Frau Engels, stellen Sie sich bitte zunächst unseren Nutzern kurz vor

Angela Engels: Mein Name ist Angela Engels, ich bin 47 Jahre alt, verheiratet und wohne in Troisdorf, in der Nähe von Bonn. Ich habe 23 Jahre als Erzieherin mit Kindern in verschiedenen Altersstufen gearbeitet und feststellen müssen, wie schwierig und nahezu unmöglich es ist, Kinder in den heutigen Strukturen von Kindertagesstätten individuell zu unterstützen und zu fördern. Um dieses Wunschziel von mir zu erreichen, habe ich mich für einen neuen beruflichen Weg entschieden und biete im Rahmen einer lernpädagogischen Praxis gemeinsam mit meinem Labrador Sam tiergestützte Pädagogik und -Therapie.

PfotenCheck: Tiergestützte Pädagogik - was bedeutet das genau?

Angela Engels: Die tiergestützte Pädagogik unterstützt den Lern- und Trainingsprozess durch den gezielten Einsatz des Hundes. Das Tier nimmt eine unterstützende und helfende Funktion innerhalb eines therapeutischen Prozesses ein. In der tiergestützten Pädagogik unterscheidet man zwischen tiergestützten Aktivitäten und tiergestützter Therapie. Bei den tiergestützten Aktivitäten verfolgt man kein bestimmtes Ziel oder Therapieerfolg. Hier geht es darum, Personen oder Institutionen zu besuchen und in Gemeinschaft mit dem Hund zu spielen, zu kuscheln, Gespräche zu führen, ja aktiv zu werden. Erreicht man dabei ein Ziel, ist das wunderbar, aber nicht beabsichtigt. Bei der tiergestützten Therapie hingegen, wird gezielt auf einen therapeutischen Erfolg hin gearbeitet. Der Hund nimmt in diesem Fall also die Rolle des Co-Therapeuten ein. Bei einem sehr ängstlichen Kind zum Beispiel will man ja das Ziel erreichen, mehr Selbstvertrauen, Selbstsicherheit und Selbständigkeit zu gewinnen. Mit einem Hund lässt sich dieses Ziel leichter verwirklichen.

PfotenCheck: Warum sind Hunde für diese Form der Therapie besonders geeignet?

Angela Engels: Hunde haben ähnliche soziale Strukturen und Bedürfnisse wie wir Menschen: Sie sind einfühlsam, anpassungsfähig, suchen Kontakt zu anderen Spielpartnern und sie genießen die Aktivitäten der Menschen. Hunde drücken unmittelbar das aus, was sie empfinden. Sie akzeptieren den Menschen so, wie er ist, gehen völlig unvoreingenommen auf den Menschen zu, vermitteln das Gefühl der Geborgenheit, des Zuhörens, der Freude. Hunde sind wertfrei. Sie verurteilen und beurteilen nicht. Sie freuen sich über jeden Menschen, ob groß, klein, schnell, langsam oder im Rollstuhl.

PfotenCheck: Welche Voraussetzungen und Qualifikationen muss ein Hund mitbringen, um als Therapiehund tätig zu sein? Gibt es Hunderassen, die für diese Aufgabe zu bevorzugen sind?

Angela Engels: Grundsätzlich kann jeder Hund zum Therapiehund ausgebildet werden. Es ist nicht so, dass nur bestimmte Rassen dafür geeignet sind. In meinem Fall ist es ein Labrador geworden, weil ich diese Rasse ohnehin ganz wunderbar finde. Eine bewusste Entscheidung habe ich allerdings bei der Farbe getroffen: Es sollte ein heller Labrador sein, denn ich habe gemerkt, dass Kinder oftmals vor dunklen Hunden mehr Angst haben. Aber das ist meine persönliche Erfahrung und Entscheidung. Grundsätzlich sollte ein Therapiehund über einen guten Grundgehorsam verfügen, offensiv Kontakt zu Menschen aufnehmen, eine hohe Reizschwelle besitzen und wenig stressanfällig sein. Darüber hinaus gehören Eigenschaften wie Umweltsicherheit, Spielfreude und eine hohe Lernbereitschaft natürlich ebenfalls zu den Voraussetzungen, die ein Therapiehund mitbringen muss. Last but not least sollte er freundlich sein und sich gerne anfassen und streicheln lassen. Für den Einsatz sollte der Hund zudem gesund, geimpft und entwurmt sein sowie über eine Haftpflichtversicherung verfügen.

PfotenCheck: Was qualifiziert Sie persönlich für diese Form der Arbeit mit Kindern?

Angela Engels: Na ja, ich denke ich bringe nach 23 Jahren Arbeit mit Kindern und Jugendlichen viel pädagogisches Hintergrundwissen und praktische Erfahrung mit ein. Zudem habe ich die letzten drei Jahre noch zwei weiterführende Ausbildungen absolviert, die mir zusätzliche Fachbereiche wie zum Beispiel die Legasthenie und Dyskalkulie, sowie Verhaltensauffälligkeiten in Entwicklungsprozessen des Kindes, näher gebracht haben. Durch meinen Hund ist es oft möglich, schnellere Erfolge zu verzeichnen.   

PfotenCheck: Wie wurde aus Sam ein Therapiehund? Was waren die Inhalte seiner Ausbildung und wie lange hat diese gedauert?

Angela Engels: Sam kam mit zehn Wochen zu uns und ab diesem Zeitpunkt, begann seine Ausbildung auch schon. Wir besuchten regelmäßig die Welpengruppen in der Hundeschule, damit Sam Kontakte zu anderen Hunden knüpfen konnte, Lernfreude entwickelte, ersten Grundgehorsam erlernte und Kontakt zu anderen Menschen und Hundehaltern bekam. Danach ging es nahtlos in die Junghundegruppe über, in der Sam die Lernfreude weiterentwickeln sollte, sein Grundgehorsam vertieft wurde und auch das Thema Konfrontation mit Umweltreizen, etwa das Gehen an einer stark befahrenen Straße, Aufzug fahren oder das gehen durch eine große Menschenmenge, auf dem Lehrplan stand. Dies ist nur ein kleiner Teil der erlernten Dinge. Sam besuchte zweimal die Woche die Hundeschule. Das Erlernte wurde natürlich innerhalb der Familie verfestigt und viele Dinge kamen dazu. Wir fuhren zum Bahnhof, zum Flughafen, gingen in die Stadt, fuhren mit dem Schiff, hörten laut Musik, besuchten Festumzüge und so weiter. Sam ging zu diesem Zeitpunkt auch schon mit mir in eine integrative Tageseinrichtung. Das heißt, da ich durch meine Arbeit wusste, wie Kinder sind, habe ich ihn zu Hause intensiv darauf vorbereitet. Ich umklammerte ihn, zog im auch schon mal leicht an der Rute, an den Ohren, alles Dinge, die Kinder auch schon mal machen. Dann wurde geübt, nichts vom Boden zu nehmen, denn wie oft fallen im Kindergarten Perlen, Knete oder ähnliches auf den Boden. Ganz genaue Inhalte unserer Ausbildung kann man bei Interesse auf meiner Homepage noch einmal nachlesen, denn dies würde die Länge dieses Interviews sprengen. Die Ausbildung dauerte ungefähr zwei Jahre. Das kann man aber nicht so ganz genau festlegen, weil es natürlich auch darauf ankommt, wie intensiv und zeitintensiv man arbeitet. Und es kommt auch darauf an, bei wem man die Ausbildung macht, da gehen die Zeitspannen auch sehr auseinander. Der gesamten praktischen Ausbildung mit Sam ging auch noch eine theoretische Ausbildung voraus, in der ich sehr viel über das Verhalten und die Kommunikation der Hunde gelernt habe.

PfotenCheck: Was können Sie mit Ihrer Arbeit bewirken?

Angela Engels: Das kann ich nur in Oberpunkten mit je ein bis zwei Beispielen erzählen, denn darüber könnte man alleine schon mehr als eine Stunde referieren. Zum einen gibt es die körperlichen Auswirkungen: Die Muskulatur entspannt sich, der Patient ist motivierter, er wird von Schmerzen abgelenkt und es ist möglich, dass die Menge der Medikamente sich verringert. Dann gibt es die psychischen Auswirkungen, zu denen das Erleben von Nähe und Geborgenheit, die Bereitschaft sich zu öffnen, ein verbessertes Selbstbewusstsein, Selbstvertrauen, Selbstachtung und Selbstwertgefühl zählen. Zudem sprechen wir über mentale Auswirkungen, wie taktile, auditive und visuelle Stimulation oder Gedächtnisförderung und Steigerung der Wahrnehmung. Nicht zu vergessen sind natürlich auch sozialen Auswirkungen, die die tiergestützte Pädagogik bei Patienten hervorruft: Verbesserung der Interaktion und Kommunikation, Förderung sozialer Kontakte sowie die Übernahme von Aufgaben, Verantwortung und das Gefühl, gebraucht zu werden.

PfotenCheck: Können Sie uns konkrete Erfolgsbeispiele nennen?

Angela Engels: Ja. Seit längerem arbeiten wir schon in einer offenen Ganztagsschule in Bonn und führen dort ein Hunde-Projekt durch. Die Kinder erlernen in Theorie und Praxis alles rund um den Hund. In den jeweiligen Gruppen kommt es immer wieder vor, dass Kinder Angst vor einem Hund haben. So auch in der letzten Gruppe. Eine Mutter erklärte mir, dass ihre Tochter mal eine schlechte Erfahrung mit einem Hund gemacht hat und so große Angst hätte, dass sie jedes Mal mit ihr die Straßenseite wechseln müsste, sobald ein Hund käme. Sie würde sich für ihre Tochter wünschen, dass sie diese Angst ein wenig verlieren würde. Das Projekt erstreckt sich über elf Einheiten und wenn ein Kind Angst hat, bleibt Sam in den ersten Einheiten immer an der Leine. Das gibt den Kindern Sicherheit. Bei der dritten Einheit erlaubte dieses Mädchen mir, Sam schon von der Leine zu nehmen, ja und ab der vierten Einheit saß dieses ängstliche Kind vor meinem Hund, streichelte ihn, fütterte ihn aus der Hand und hätte ihn am liebsten mit nach Hause genommen. Unfassbar für die Mutter. Dieses Mädchen kommt mir immer noch entgegengelaufen, wenn ich mit Sam in die Schule komme und die Mutter berichtet mir, dass ihre Tochter mittlerweile ganz entspannt an Hunden vorbeigeht.

PfotenCheck: Wer kann Ihre Dienste in Anspruch nehmen und wo werden Sie in der Regel eingesetzt?

Angela Engels: Ich bin natürlich meinem Arbeitsbereich treu geblieben und arbeite auf Anfrage mit Sam in Kindertagesstätten, in Schulen, aber auch im privaten Bereich, wenn es um eine kurzzeitigen Einsatz geht. Das heißt zum Beispiel wenn ein Kind sich nicht aus dem Haus traut und Angst hat. Ansonsten kommen die Kinder zu mir in die Praxis. Diese Kinder benötigten Hilfe in unterschiedlichen Bereichen: bei Konzentrationsproblemen, fehlendem Selbstbewusstsein, emotionalen Defiziten, Ängsten, Lernschwächen und vieles mehr. Aber auch zu Senioren gehen wir gerne. Sie brauchen oft jemanden zum Reden, ein wenig Gedächtnistraining und jemanden zum Kuscheln. Einfach jemanden, der da ist und zuhört.

PfotenCheck: Wie läuft ein typischer Einsatz vor Ort ab? Was genau macht Sam?

Angela Engels: Das ist individuell sehr unterschiedlich. In Kindertagestätten kann das ein gemeinsamer Spaziergang mit Sam sein, den Hund mit Hilfe an der Leine zu führen, erste Kommandos kennenlernen und diese dem Hund zu geben, Leckerchen verstecken, aber auch einfach nur streicheln, kuscheln und neben dem Hund liegen. In der Schule sieht das schon anders aus. Da erfahren die Kinder alles über den Hund, seine Kommunikation, die Sinne, sein Verhalten, Ernährung, Pflege und vieles mehr. Das heißt aber auch, dass das Erlernte in die Praxis umgesetzt wird und die Kinder den Hund beispielsweise bürsten, ihm erste Kommandos geben oder an einer Leine durch einen Parcours führen und dabei Blickkontakt halten. Das sind nur einige Dinge und natürlich ganz andere Anforderungen an den Hund. In meiner Praxis setze ich Sam ganz individuell nach der Lernproblematik ein. Hier kann ich auch nur Beispiele geben. Bei einem sehr unkonzentrierten und unruhigen Kind, reicht es oft schon aus, dass Sam unter dem Stuhl liegt. Denn die Rücksichtnahme auf den Hund, ihn weder mit den Füßen oder dem Stuhl zu verletzen, bewirkt schon, dass das Kind ruhiger wird. Ebenso leiser sprechen, weil der Hund im Raum ist und ein viel feineres Gehör hat. Kinder, die auf der emotionalen Ebene eine Schwäche zeigen, erzählen im Spiel meist dem Hund mehr, als mir als Pädagogin. Sam sitzt dann da, schaut das Kind an und hört zu. Kinder, die sehr unmotiviert sind, werden natürlich motivierter, wenn sie bei ihrer Arbeit Leckerchen für Sam sammeln dürfen. Kinder, die eine Lese Rechtschreibschwäche haben, lesen sehr ungern. Motivierter sind sie, wenn sie dem Hund eine Geschichte vorlesen dürfen. Hier gibt es aber im Anschluss an jede Stunde noch mal Spiel und Spaß mit Sam, in Form von Leckerchen verteilen oder Kuscheln.

PfotenCheck: Um noch einmal speziell auf das Thema „Angst“ zurückzukommen: Wie führen Sie ängstliche oder verunsicherte Kinder mit wenig Hundeerfahrung an Sam heran?

Angela Engels: Ich mache immer zuerst eine Einführung ohne Sam. Das hilft mir dabei, die Kinder schon vorher ein Stück einzuschätzen und mir vorab ein Bild über mögliche Ängste und Unsicherheiten zu machen. Dazu kommt, dass ich vorher die Regeln bespreche, wie man sich einem Hund gegenüber verhält, also zum Beispiel nicht zu schreien, nicht wegzulaufen und nicht an der Rute zu ziehen. Demzufolge weiß ich also schon beim ersten Besuch mit Sam, was mich erwartet. Ich entscheide dann, ob Sam an der Leine bleibt, ich ihn frei machen kann oder neben mir ablege. Dann gibt es mithilfe von Leckerchen und Streicheln für alle, die möchten, die erste Kontaktaufnahme. Je mehr sich da schon trauen, umso mutiger werden auch die anderen. So und dann entscheide ich von Woche zu Woche, wie weit ich gehen kann und wie sicher die Kinder sind. Bisher war es immer so, dass Sam sich nach dem vierten Besuch immer ohne Leine bewegen durfte und die Kinder immer mutiger wurden. Da ich auch sehr viele Kinder aus anderen Nationen habe, braucht man auch manchmal etwas länger, weil der Hund in deren Kultur oft einen anderen Stellenwert hat. Da muss man sich dann auch noch einmal im Einzelnen mit auseinandersetzen.    

PfotenCheck: Was sind die größten Herausforderungen in Ihrer alltäglichen Arbeit?

Angela Engels: Jeder Einsatz mit Sam ist spannend. Wir wissen nie, wie ist die Stimmung der Kinder an dem Tag unseres Einsatzes, was haben sie erlebt, welche Sorgen haben sie, was beschäftigt sie. Wir müssen uns immer ganz aktuell auf die Tagessituation einstellen. Natürlich bereitet man die Stunden in der Praxis vor, aber es ist durchaus möglich, dass genau an dem Tag, für das Kind etwas anderes viel wichtiger ist. Und dann muss man sich spontan umstellen und mit dem Kind das erarbeiten, was gerade wichtig ist. Sam merkt sofort, wenn es einem Kind nicht gut geht und zeigt es, indem er ihm nicht von der Seite weicht. Eine große Herausforderung ist aber leider auch, dass es immer wieder Institutionen gibt, die nicht bereit sind für eine Zusammenarbeit mit Hund, zum Wohle des Kindes. Nur gemeinsam kann man ein Ziel erreichen.

PfotenCheck: Wie läuft ein Einsatz aus der Sicht von Sam ab? Ist das Ganze für ihn ein Spiel oder eine Form der gesunden Auslastung und geistigen Herausforderung?

Angela Engels: Beides. Einerseits Spiel, aber auch geistige Herausforderung und -Auslastung. Labradore gibt es ja in Form einer Arbeitslinie und in einer Showlinie. Sam kommt aus der Arbeitslinie, dass heißt er will ohne Ende arbeiten. Er will apportieren, er will Suchspiele machen, er will helfen. Und genau das ist es, was er im Alltag macht. Gehen wir in die Kindertagesstätten, so ist das einerseits Spiel für Sam und eine geistige Herausforderung, indem er die Leckerchen findet, die die Kinder für ihn verstecken. In Schulen ist die Anforderung schon größer, weil die Kinder mit Sam auch beispielsweise das Gehen an der Leine üben oder Kommandos geben – und das ja nicht nur einmal, sondern in der Regel wollen das ja alle Kinder. Daher arbeite ich in Schulen auch theoretisch und praktisch, damit Sam während der Theorie immer wieder Pause hat. In meiner Praxis läuft es ruhiger ab, weil es da ja Einzelförderung gibt und daher auch schon mehr Ruhe herrscht. Da Sam in der Regel alle Bereiche jede Woche hat, sieht dies so aus, dass er einen Tag mehr und einen Tag weniger ausgelastet ist. Mir ist wichtig, ihn aber nie zu überlasten. Deshalb schaue ich auch genau, welche Termine ich wann annehme, um Sam immer die nötige Ruhe zu ermöglichen.

PfotenCheck: Gibt es Situationen, in denen auch ein Therapiehund wie Sam Stress empfindet?

Angela Engels: Ja klar. Das sind Situationen, in denen zum Beispiel ein Kind weint. Sam fühlt da sehr mit, läuft zum Kind hin, kommt zu mir, um Hilfe zu holen und ist einfach aufgeregt. Das kommt natürlich in einer Gruppe von Kindern öfters mal vor. Das heißt, dann nehme ich ihn erst mal aus der Situation raus, da sich ja dann auch die pädagogischen Kräfte um das Kind kümmern, gehe aber nachher noch mal mit Sam hin, um ihm auch zu zeigen, dass alles wieder gut ist.

PfotenCheck: Muss auch Sam sich permanent weiterbilden? Wie bleibt er im Training?

Angela Engels: Auch ein Hund durchlebt verschiedene Entwicklungsphasen, wie auch die Pubertät. Natürlich vergisst auch er Dinge, die er eigentlich schon erlernt hat oder will sie auch einfach mal vergessen. Also heißt das für mich als Hundebesitzer: Training ein Leben lang. Alles was er erlernt hat, immer wieder auffrischen, verfestigen und neue Dinge dazu lernen. Aber dabei kommt auch Spiel und Spaß nicht zu kurz. Toben, Kuscheln, Sozialkontakte. Nur so wächst die Bindung des Therapie-Begleithundeteams. Eine regelmäßige jährliche Untersuchung beim Tierarzt bestätigt mir dann noch, ob Sam gesund ist und weiterhin eingesetzt werden kann.

PfotenCheck: Gibt es ein schönes, kurioses oder ansonsten einprägsames Erlebnis, das Ihnen besonders in Erinnerung geblieben ist?

Angela Engels: Ja, das gibt es und das ist ein Erlebnis, was mir immer wieder Tränen in die Augen zaubert: Es gibt in einer integrativen Einrichtung ein Kind, was weder laufen, essen, deutlich sehen, noch sprechen kann. Sam hat sich von Anfang an dieses Kind ausgesucht und geht immer zu ihm hin und schubst ihn mit seiner Nase an. An der Regung des Kindes merkt man schon Freude. Eines Tages kam ich in diese Gruppe und dieses besagte Kind saß in einer Schaukel, die von der Decke hing. Sam ging sofort hin und schubste dieses Kind mehrmals an, so dass sich die Schaukel hin und her bewegte. Da hätten Sie aber mal die Regung des Kindes sehen müssen. Die Arme ruderten hin und her, der Kopf drehte sich, ja man hatte das Gefühl, es lächelt sogar ein wenig. Dieses Erlebnis werde ich nie vergessen.

PfotenCheck: Bevor wir das Interview beenden - möchten Sie unseren Nutzern noch etwas mitteilen?

Angela Engels: Ja, mir ist einfach noch einmal wichtig zu sagen, dass tiergestützte Arbeit eine wunderbare Sache ist und sich weiter durchsetzen sollte. Leider ist es kein geschützter Beruf und es ist schon wichtig, dass man gezielt auf die Ausbildung und Qualifikation der Mensch-Hunde-Teams schaut. Menschen, die Tiere als Co-Therapeuten einsetzen, sollten pädagogische sowie soziale Kenntnisse und Erfahrungen mitbringen.  

PfotenCheck: Wir danken Ihnen für das sehr interessante Gespräch und wünschen Ihnen und Sam weiterhin alles Gute und viel Erfolg für Ihre hilfreiche Arbeit!

weitere Informationen

Lernpädagogische Praxis / Tiergestützte Pädagogik

Angela Engels

Homepage: www.hund-mit-herz.de


Bitte loggen Sie sich ein oder registrieren Sie sich, um einen Kommentar zu verfassen.